Wie funktionierts?

Aktualisiert: 27. März 2021

Figurentheater – Wie funktioniert das?


Zuallererst braucht man natürlich Puppen. Welche Puppen das sind, ist ganz unterschiedlich: Ob Menschen, Zwerge, Tiere oder auch einfach nur Gegenstände mit Augen, theoretisch kann alles eine Puppe werden, was auch das Schöne daran ist.


Puppen haben natürlich auch immer einen individuellen Charakter, sodass mit Mimik/Gestaltung gearbeitet wird. Ihre Stimme und ihre Bewegungen müssen angepasst werden. Ist es ein scheuer Vogel, der zurückweicht oder ein aufbrausender Zwerg, der sich gerne nach vorne drängelt und groß macht? Vor allem im Theater darf hier gerne übertrieben werden. Ähnlich wie beim übertrieben geschminkten Bühnen-Make-up nimmt die Entfernung der Zuschauer einiges an Ausdruckskraft. Gerade Puppen im Kindertheater dürfen deshalb Comic-haft übertrieben gespielt werden, da sie so besonders süß wirken. Augen werden besonders groß gestaltet, und Farben gerne mal angepasst, damit man sie auch aus der letzten Reihe sieht. So bekommt die schwarze Elster schnell weiße Federn, damit der Kontrast zum schwarzen Bühnenvorhang im Hintergrund größer ist.

Das Wichtigste beim Spielen ist der Augenkontakt, damit die Puppe lebendig wird. Schaut sie einen nicht an, wirkt sie unecht. Egal wo auf der Bühne die Anspielperson steht, die Puppe muss mit den Augen mitwandern, auch wenn dies verkrampftes Verrenken der Hände für den Spielenden bedeutet. Selbst, wenn die Puppe nichts sagt, muss sie das Bühnengeschehen mit Blicken verfolgen.

Außerdem muss sie immer in Bewegung bleiben: Eine Puppe, die sich nicht bewegt oder ohne Hand in sich auf der Bühne sitzt, wirkt für den Zuschauer tot. Das sollte vor allem im Kindertheater vermieden werden. Selbst wenn der Arm lahm wird, darf die Puppe also nie leer sein.

Manche Puppen sprechen auch auf der Bühne: In den meisten Fällen steckt dabei die Hand im Kopf und der Mund/Schnabel oder Ähnliches wird meist mit Daumen und Zeigefinger gespielt. Bei jeder Silbe eines Wortes öffnen sich die Finger, sodass der Mund aufgeht. Wichtig ist, dass der Mund am Ende jedes Wortes geschlossen ist, ebenso wie am Ende eines Satzes. Wir Menschen stehen ja auch nicht sekundenlang mit offenem Mund herum. Die Ruheposition, in der die Puppe nichts sagt, ist also auch mit geschlossenem Mund, was besonders am Anfang einiges an Konzentration erfordert.

Spricht eine Puppe, ist auch die Stimme relevant: Wird diese vom Puppenspieler gesprochen oder kommt die Stimme vom Band? Bei letzterem muss das Timing perfekt passen. Nichts ist ärgerlicher, als eine Puppe, die zu spät den Mund beim Sprechen öffnet, also versehentlich bauchredet. Oder eine Puppe, die den Mund wild auf und zu klappt, aber es ertönt kein Wort. Ob live oder vom Band, für den Puppenspieler erfordert beides Textlernen und Konzentration.

Zusätzlich bringt jede Puppe ihre eigenen Tücken mit sich. Seien es besondere Konstruktionen, um einen Gegenstand mit einem Vogelschnabel auf die Bühne zu werfen oder das Übergeben von Puppen auf der Bühne an jemand anderen, wobei zeitgleich zum Beispiel Schnüre zum Bewegen von Flügeln eines Vogels in der Puppe versteckt werden müssen. Jeder dieser Fälle muss einzeln geprobt werden.

Puppenspielen ist anstrengend: Puppen können von überall gespielt werden. Von unten aus einem Bühnenpodest heraus, hinter Stellwänden hervor, durch Löcher in Stellwänden oder auf der Bühne. Ziel ist, dass der Puppenspieler nicht gesehen wird und die Puppe möglichst selbstständig wirkt. Dies bedeutet für den Spieler anstrengende Haltungen, wie mit ausgestrecktem Arm über dem Kopf zu spielen. Oftmals kommen noch andere Dinge hinzu, die mit der anderen Hand gemacht werden müssen: Zum Beispiel die Hände einer Puppe bewegen. Es erfordert also enorme Ausdauer und Kraft der Arme, gegebenenfalls auch der Beine, wenn in der Hocke gespielt wird. Wenn in den Proben wieder und wieder die gleichen Szenen geprobt werden, ist dies besonders anstrengend. In bestimmten Fällen ist der Puppenspieler voll zu sehen, dann wird oft schwarze, lange Kleidung getragen, damit der Puppenspieler mit dem Vorhang im Hintergrund verschwindet und ausgeblendet wird.

Letztendlich gilt es aber Spaß zu haben: Puppenspiel lebt von der Freude am Spielen, an der Leidenschaft, in andere Rollen zu schlüpfen. Man muss mit sich selbst reden, über sich selbst lachen können und völlig ernst mit Pieps-Stimme Geschichten vortragen. Aber am Ende, wenn der Applaus ertönt und die Kinder aus dem Theater gehen und ihren Eltern begeistert erzählen, was an kleinen Tricks und Magie auf der Bühne passiert ist, ist es die Arbeit allemal wert.


Text: Luisa Wehinger, 24.01.2021


Vom Textbuch zur Premiere – Was passiert bei einer Theaterprobe?

von Luisa Wehinger


Zuallererst gibt es im Theater natürlich nicht DIE klassische Theaterprobe. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Lese- und Stellproben, sowie den klassischen Szenen- und Durchlauf-Proben. Zum Schluss gibt es natürlich auch die Haupt- und Generalprobe. Wo liegt denn nun der Unterschied, fragt man sich als Außenstehender? Und was passiert denn eigentlich in diesen Proben?

Zuallererst braucht es natürlich ein Textbuch. Ohne Text kein Theaterstück, das ist klar. Beim allerersten Treffen lesen also die ausgewählten Schauspier zusammen mit dem Regisseur und bei Bedarf einer Regieassistenz und Souffleuse das Textbuch durch. So wird zunächst geschaut, wie lange es ohne Ausspielen der Handlung dauert, das Stück einmal durchzusprechen. Hier können bereits erste Textänderungen vorgenommen werden, wenn Schauspieler anmerken, dass ihnen andere Formulierungen leichter von der Zunge gehen oder vom Regisseur Textkürzungen vorgenommen werden. Bereits hier wird mit Emotionen gelesen: Wie wirkt das Stück bereits?

Es wird ein erster Plan zum Proben gemacht: Welche Szenen sollen als erstes von den Schauspielern auswendig gelernt werden? Gibt es Einzelproben? Wird chronologisch geprobt? Da Schauspieler meist Freiberufler sind, variieren die Probenzeiten sehr stark. Von Proben um 10 Uhr morgens bis zu Proben, die erst um 20 Uhr beginnen, ist alles möglich.

In der ersten „richtigen“ Probe, in der auch gespielt wird, wird vor allem improvisiert. Die Schauspieler probieren erste Laufwege auf der Bühne, die meist noch nicht vollständig ist und noch entwickelt wird. „Stellproben“ werden diese Proben genannt, bei denen festgelegt wird, bei welchem Text welche Requisiten verwendet werden und wo wer wann steht. Dies ist wichtig, damit ansprechende Bühnenbilder entstehen und im Eifer des Gefechtes nicht wichtige Personen verdeckt werden oder Requisiten außer Reichweite liegen. Es wäre doch wirklich blöd, wenn der Mörder im Kriminalfall nicht an seine Pistole gelangt und erst über die ganze Bühne hechten müsste?

Sobald alle Szenen „durchgestellt“ sind, heißt es vor allem noch mehr Textlernen und Spielen. Wieder und wieder werden Szenen geprobt, bis der Regisseur nach etlichen Veränderungen und Ausprobieren zufrieden ist. Dabei kann alles mehrfach umgeworfen werden. Schließlich werden die Szenen aneinandergehängt und Gesamtdurchläufe gespielt, bis man schließlich auf die Endproben zugeht. Letzte Anpassungen und Änderungen am Spielverhalten, Bühnenbild und Text werden vorgenommen, bis dann endlich alles zusammenkommt: Das Bühnenbild steht, Licht- und bei Bedarf Tonkonzepte sind festgelegt und werden mitgeprobt. Die letzten zwei Proben vor der Premiere heißen Haupt- und Generalrobe. In diesen Proben gibt es hin und wieder auch schon Besuch von der Presse, die dann im besten Fall die Premiere noch in Radio, Fernsehen oder Zeitung bewirbt und rezensiert.

Nach all dem Proben ist das Theaterstück endlich bereit für das Publikum und nicht nur die Schauspieler hoffen auf einen Erfolg: Am Ende sind es Regisseur, Regieassistenz und sonstige Personen, die mitgeholfen haben, sei es beim Bühnenbild, das sich schließlich nicht von selbst baut, oder den Leuten, die die Vorstellung betreuen und am Einlass stehen, aber auch der Bühnentechniker, der die Scheinwerfer unter die Decke gebracht hat und während der Vorstellung bedient. Alle hoffen, dass ihre Arbeit den Zuschauern gefällt. Es braucht viele verschiedene Menschen, damit das Gesamtkonstrukt Theater funktioniert und dann wird auch klar, warum Applaus so wichtig ist.




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