Was passiert im FSJ?

Aktualisiert: 27. März 2021

Ein Bullet Journal als FSJ Projekt: Was ist das und was macht man im Gutenbergmuseum als FSJler/-in?


Luisa: Am Anfang natürlich die Frage: Wer bist du eigentlich?


Ssissi: Ich bin Ssi-Mong Kim, 20 Jahre alt und habe mein FSJ Kultur, beziehungsweise meinen Bundesfreiwilligendienst, im Gutenbergmuseum in Mainz in der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung von April 2020 bis März 2021 gemacht.


Luisa: Warum hast du dich für das Gutenbergmuseum entschieden?


Ssissi: Ich habe mich damals schon für Kultur interessiert und mich dann, wie das alle FSJler aus dem Kulturbereich machen müssen, über die Freiwilligenseite Kultur und Bildung beworben. Ich bin eigentlich aus Frankfurt, allerdings gab dort in der Nähe keine Angebote, die mich interessiert haben und da das Gutenbergmuseum in Mainz sehr gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angebunden ist, habe ich mich dort beworben, da ich mal in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit reinschnuppern wollte.


Luisa: Was waren deine Aufgaben in deiner Einsatzstelle?


Ssissi: Bevor es FSJler für den Druckladen und das Museum gab, wurde ich auch dort für Arbeiten eingesetzt, allerdings war das ein ganz schönes Hin und Her, da ich ja eigentlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war. Nachdem die anderen FSJler dann da waren, habe ich mich vorrangig um die Social-Media-Kanäle (Instagram und Facebook) und die Website gekümmert, sie also regelmäßig gepflegt, sie aktuell gehalten und auch mit Inhalten bestückt. Die Website wurde relauncht, also neu gemacht, und ich habe dann die ganzen Inhalte wieder hochgeladen. Ich habe auch Posts für die Sozialen Medien vorbereitet, die natürlich erst mal zur Freigabe an meine Chefin gingen, bevor ich sie überarbeitet und schließlich nach dem Okay von oben auch Hochgeladen habe. Ich habe aber auch Büroarbeiten wie Flyer eintüten gemacht, das gehört alles dazu.


Luisa: Nun zu deinem Projekt. Während des FSJs muss jeder Freiwillige ein eigenständiges Projekt erarbeiten: Was ist genau dein Projekt?


Ssissi: Ich habe ein Bullet Journal gestaltet. Das Projekt habe ich mir ausgedacht mit meiner Anleiterin, die mich gefragt hat, wofür ich mich denn sonst interessiere. Als ich dann das Bullet Journal angesprochen habe, das ich vorher schon regelmäßig geführt habe, meinte sie, dass man das doch perfekt mit der Schriftabteilung im Gutenbergmuseum verbinden könnte. So bin ich zu der Idee gekommen. Kurz vorab: Ein Bullet Journal ist ein Art kreativ gestaltetes Notizbuch, das man als Kalender oder Erinnerungsbuch verwenden kann, in dem man seine Woche „tracken“ kann, also aufschreibt, wie oft man bestimmte Dinge tut oder tun möchte, ein Buch, in dem man sich aber auch auf kreativen Seiten Ziele setzen kann und vieles mehr. Für mein Projekt habe ich mich also mit der Schriftabteilung zusammengesetzt und mir auch eine Schriftart ausgesucht, nämlich „Sütterlin“, die alte deutsche Schreibschrift.


Luisa: Wie bist du zum Bullet Journaling gekommen?


Ssissi: Zu Weihnachten habe ich von meiner Mitbewohnerin ein solches Journal bekommen; erst war ich irritiert, dass das Notizbuch leer war und z.B. keine Kalenderunterteilung hatte, aber dann hat sie mir gezeigt, wie man so etwas führen kann. Das Schöne am Bullet Journal ist, dass man nicht etwas Fertiges kauft, sondern sich etwas Eigenes gestalten kann. Zuerst blieb das Journal liegen, aber dann fiel mir während Corona die Decke auf den Kopf und mir hat einfach Struktur in meinem neuen Alltag gefehlt. Ich habe mir dann eine Liste gemacht, wann ich was mache, um erstmal einen Überblick zu bekommen. Dadurch habe ich dann zum Journaling gefunden. Einen Kalender hat ja jeder, aber so ein Bullet Journal mit Zeichnungen, hübsch gestaltet und mit kreativen Motiven ist viel persönlicher. Natürlich bedeutet das auch, dass man, je künstlerischer und aufwendiger man zum Beispiel mit Zeichnungen sein Journal gestaltet, sich auch richtig Zeit dafür nehmen muss, gleichzeitig nimmt man sich aber auch Zeit für sich selbst: Im Bullet Journal ist Platz zum Reflektieren: Was habe ich heute gemacht, was mache ich morgen, was möchte ich mehr machen? Beim Journaling kann ich runterkommen, man nimmt sich bewusst eine Pause am Tag.


Luisa: Du hast erzählt, die Seiten eines Bullet Journals werden oft sehr kreativ gestaltet: Was für Materialien hast du dafür verwendet?


Ssissi: Im Rahmen meines Projektes habe ich einen kleinen Geldbetrag bekommen, um mich mit Materialien einzudecken. Ich bin in ein großes Schreibwarengeschäft in Frankfurt gegangen, „idee.“ heißt es, in dem ich mit Stiften und Stickern eindecken konnte. Grundsätzlich zeichne ich mir mit Bleistift erst alles vor, bevor ich mit Fineliner die Linien nachziehe. Ich habe außerdem japanische Marker mit denen ich sehr gerne arbeite, Washitape (also buntes Klebeband) hat nicht so zu meinem Stil gepasst, ich habe es aber im Laufe des Projektes mal ausprobiert. Ich zeichne lieber.


Luisa: Was hat dir am meisten Spaß bei dem Projekt gemacht?


Ssissi: Mir hat besonders gefallen, dass das Organisieren und Kreativsein zu richtigen Fähigkeiten für mich wurden. Diese Stunde Ruhe, die ich mir jetzt nehme, um den Tag oder die Woche zu reflektieren, zu schauen, was am nächsten Tag kommt, das gefällt mir. Mein Bullet Journal ist weniger ein Tagebuch bzw. Buch zum Festhalten von Erinnerungen, wie das viele Leute machen, sondern eher zum „Tracken“ da: Ich schreibe mir auf, wie viel Zeit ich am Handy verbringe oder wie viel ich schlafe. Einerseits kann ich dann vergleichen, wie viel Zeit das generell bei mir ist, kann aber auch schauen, ob ich z.B. mehr schlafen oder weniger Zeit am Handy verbringen möchte.


Luisa: Wie ist dein Bullet Journal aufgebaut? Hast du wiederkehrende Seiten?


Ssissi: Mein Bullet Journal ist mein Kalender. Jeder Monat startet zunächst mit einer Übersichtsseite, die ich kreativ gestalte. Jeder Monat hat eigene Motive und Farben, die dann auch auf den Wochenseiten des Monats auftauchen. Nach dieser ersten Seite kommen Kalenderseiten mit Notizfeldern, Platz für To-Do-Listen und natürlich die bereits angesprochenen Tracking Seiten für z.B. meine Ausgaben im Monat, meinen Schlaf, et cetera. Als Letztes kommen dann die normalen Wochenseiten, wie man sie auch aus herkömmlichen Kalendern kennt.


Luisa: Was bedeutet das Projekt deiner Einsatzstelle?


Ssissi: Natürlich ist mein Projekt inhaltlich an das Museum angelehnt, immerhin geht es im Gutenbergmuseum um Bücher und Schriften. Außerdem ist ein Bullet Journal etwas, was besonders in einer jungen Altersgruppe verbreitet ist und so natürlich für das Museum auch den Vorteil hat, dass wir damit junge Leute erreichen können, wenn wir auf Instagram Inhalte dazu hochladen. Für meinen eigenen Kanal auf Tik Tok habe ich auch ein Video zu meinem Bullet Journal gedreht.


Luisa: Was hast du bei deinem Projekt gelernt?


Ssissi: Durch das Erstellen von Inhalten ÜBER mein Projekt konnte ich sehr viel über das Drehen von Videos wie z.B. Tik Toks lernen, oder über Instagram. Bei beiden Apps bereitet man Inhalte ja in der App vor und schneidet Videos nicht mit einem extra Schnittprogramm. Das Gutenbergmuseum selbst hat allerdings kein Tik Tok.


Luisa: Gab es etwas, was dir schwergefallen ist bei deinem Projekt?


Ssissi: Am Anfang habe ich mir schon Gedanken gemacht, weil ich ja keinesfalls eine professionelle Bullet Journal Influencerin im Internet bin, bei der alles wunderschön und perfekt aussieht. Letztendlich habe ich mir aber wieder bewusst gemacht, dass ich dieses Projekt gemacht habe, um Leute zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass jeder mit einem Bullet Journal anfangen kann und so gestalten kann, wie man das möchte und wie es für einen selbst funktioniert.


Luisa: Meine letzte Frage: Was ist gerade los im Gutenbergmuseum? Was kann man sich auch digital mal anschauen?


Ssissi: Im Moment haben wir geschlossen, aber wir arbeiten aktuell an einem Hygienekonzept, mit dem wir das Museum wieder öffnen dürfen. Bis dahin halten wir Kontakt über Facebook und Instagram zu unseren Besuchern.


Es gibt aber etliche Online Angebote auf unserer Website unter „Digitale Angebote“ auf der Startseite. Dort findet man Mitmach-Videos rund ums Drucken, eine Zeitreise zu Gutenberg, einen digitalen Parcours durch die Sonderausstellungen und Videos zu unserem Hashtag „drucklust“, in denen Künstler/-innen aus Deutschland und der Schweiz Kunst- und Ausstellungsprojekte während der Pandemie vorstellen. Wir freuen uns über alle, die vorbeischauen wollen!


Zur Gutenbergwebsite und den digitalen Angeboten: www.gutenberg-museum.de






 


Interview mit Hanna Neuhaus: Was ist gerade los im Theater für FSJler?

Luisa: Zuallererst natürlich die Frage: Wer bist du überhaupt?


Hanna: Ich bin Hanna Neuhaus, 19 Jahre alt und mache seit Oktober 2020 mein FSK Kultur im Kinder- und Jugendtheater Speyer.


Luisa: Warum hast du dich dafür entschieden, dein FSJ Kultur im Theater zu machen?


Hanna: Tatsächlich war das recht spontan, ich hatte vor 2 Jahren noch vor meinem Abi mal im Kinder- und Jugendtheater in Speyer angefragt, ob ich mithelfen kann. Das Theater kannte ich schon von Kinderfreizeiten und den Kinderstücken. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, im Theater einzusteigen. Mein eigentlicher Plan nach dem Abi war damals noch ein FÖJ auf einem Bauernhof, bzw. zu reisen, was durch Corona allerdings nicht ging. Ich hatte allerdings noch keinen Bauernhof gefunden, bei dem ich längerfristig bleiben wollte. Mitte September 2020 war ich gerade bei Bekannten in der Schweiz, als ich vom Theater angerufen wurde, ob ich nicht zwei Wochen später, also ab Oktober, ein FSJ Kultur bei ihnen machen möchte. Da habe ich einfach zugesagt


Luisa: Was ist gerade los im Theater?


Hanna: Lockdown-bedingt finden natürlich gerade keine Vorstellungen statt. Deshalb machen wir Livestreams, die zum großen Teil gerade städtische Projekte beinhalten, aber wir produzieren auch für unsere eigenen Stücke Livestreams. Außerdem proben wir gerade, im Profi-Bereich ist das ja erlaubt, nur im Amateur-Bereich nicht. Unsere Stücke aus den vergangenen Monaten sind derzeit erst mal auf Eis, werden aber gerade gefilmt, damit man sie dann digital erwerben kann. Insgesamt arbeiten wir gerade verstärkt an Film- und Livestream-Technik, um das Theater nach Hause zu den Leuten zu bringen, da die Leute aktuell nicht zu uns dürfen.


Luisa: Was für Projekte sind denn in nächster Zeit geplant? Was kann man sich anschauen?


Hanna: Am 21.03.2021 wird es einen großen Geburtstags-Livestream anlässlich des 31. Geburtstags unseres Theaters geben. Eigentlich war die Feier für letztes Jahr, also den 30. Geburtstag geplant, aber durch Corona musste sie auf dieses Jahr verschoben werden. Deswegen feiern wir jetzt 30+1. Von 15-18 Uhr werden wir Gedichte, Highlights aus dem Repertoire und Musik der SOS-Band spielen und vorstellen, wir freuen uns über jeden, der mal reinschauen möchte.


Luisa: Was sind denn normalerweise deine Aufgaben im Theater? Also wenn mal kein Lockdown ist?


Hanna: Ich unterstütze den Technik-Bereich, also Licht und Ton, bei unseren Theaterstücken. Außerdem mache ich gestalterische Arbeiten, also z.B. Bühnenbilder bauen oder Wandtransparente malen. Hin und wieder bin ich auch im Büro für organisatorische Sachen. Meine Arbeit ist also sehr abwechslungsreich. Wenn kein Lockdown wäre, würde ich bestimmt auch mehr in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden, das fällt ja aktuell eher weg.


Luisa: Was machst du gerade im Theater? Was sind aktuell deine Aufgaben?


Hanna: Ich helfe aktuell beim Dreh eines Videos mit. Am meisten bin ich gerade aber mit der Unterstützung des Technikbereichs beschäftigt, also mit den Livestreams. Außerdem helfe ich auch bei Aufbauten für die Stücke, die aufgenommen werden. Luisa: Alle reden über Homeoffice: Kannst du Homeoffice machen? Wie sieht das im Theater aus? Hanna: Die, die Homeoffice machen können, bleiben auch im Homeoffice; Ich mache aber Arbeiten, bei denen ich auch wirklich im Theater sein muss und bin deshalb auch froh, richtig zur Arbeit gehen zu können.


Luisa: Was macht ihr, um trotz fehlender Vorstellungen das Theater zu finanzieren?

Hanna: Wir machen Spendenaufrufe und sind froh, dass es Leute gibt, die uns von Anfang an unterstützt haben. Unsere Künstler sind wie in den meisten Fällen Freiberufler. Glücklicherweise haben wir Anspruch auf die Hilfsgelder und konnten im Dezember sogar noch „Das letzte Schaf“ (unser Weihnachtsstück) als Schulvorstellungen für Grundschulen aufführen, was in diesem Rahmen zum Glück noch erlaubt waren. Wir hatten 20-30 Kinder in unserem Saal, der eigentlich für 250 Leute ausgelegt war. Aber die Kinder waren echt glücklich, mal wieder aus der Schule raus zu kommen und waren wirklich begeistert von unserem Stück. Durch das Weihnachtsstück ist unsere „Durststrecke“ auch noch nicht so lang, wie das bei anderen Theatern der Fall ist. Aber auch wir haben Vorstellungen, die immer wieder ausfallen, die immer weiter aufgeschoben werden oder wo die Premiere nicht stattfinden kann. Teilweise sind Veranstaltungen auch terminlich gebunden. Unser Stück „Name: Sophie Scholl“ sollte an einem Gedenktag stattfinden und wurde immer weiter aufgeschoben.


Luisa: Bereitet ihr euch auf Lockerungen vor?


Hanna: Wir sind vorbereitet, dass der Lockdown noch länger dauert, planen aber weiterhin Vorstellungstermine. Lieber sagen wir dann ab, als gar nicht erst zu planen. Es muss ja weiter gehen. Unser Stück „Norway. Today“ wird auch gerade geprobt. Ob es dann zu den angepeilten Terminen stattfindet, wissen wir nicht.


Luisa: Eine letzte Frage: Warum ist Dir Theater wichtig? Was macht dir am meisten Spaß?


Hanna: Für mich ist das Theater an sich ein schöner Ort. Bereits als Kind hat mich die Atmosphäre beeindruckt und jetzt dort zu arbeiten, wo man vor Jahren als Kind war, ist toll. Ich kann mich hier weiterentwickeln und lerne auch, wie man jetzt mit den Corona-Maßnahmen im Theater umgeht und neue Wege findet. Ich kann mich hier aber auch künstlerisch weiterentwickeln, z.B. habe ich Wandtransparente gemalt. Im Theater hat man so viele Möglichkeiten dazuzulernen und zu entdecken, nicht nur vor der Bühne, sondern auch hinter der Bühne.


Für Infos rund um den Geburtstags-Stream und das Vorstellungsangebot:


https://www.theater-speyer.eu/


Interview vom 08.03.2021


 




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